13. Februar

In diesen Tagen bin ich in meinem Heimatdorf in die Vergangenheit getaucht – mehr sprachlich, aber auch geschichtlich. Ich hörte Dialektausdrücke, die vor über 50 Jahren gebräuchlich waren und jetzt nur noch in der Erinnerung älterer Leute existiert. Es ergaben sich erstaunlich einfache Erklärungen für mir gebräuchliche Begriffe aus der wirtschaftlichen Vergangenheit des Ortes. Ich war in den Räumen eines Friseursalons mit einer Einrichtung aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Der Besitzer, kurz vor der 80, außerdem Theatermusikant und fit wie ein Turnschuh, schneidet auch jetzt noch seinen Stammkunden die Haare.
Und abgesehen davon, was heute vor 65 Jahren in Dresden passierte, so ist heute auch der 65. Jahrestag der Bombardierung dieses erzgebirgischen Dorfes. Dabei wurde unter vielen anderen Gebäude auch das sogenannte „Bucherhaus“ getroffen und bis auf den Treppenaufgang vollständig zerstört. Es wurde jedoch wieder aufgebaut und wird jetzt vollständig als Wohnhaus genutzt. In diesem Haus bin ich aufgewachsen und habe mich immer über die schwarzen Spuren auf den Fliesen im Treppenhaus gewundert. Schwefel sei es, wurde mir gesagt, von den Bomben.
Mit soviel zeitlichem Abstand ist es für mich relativ schwer vorstellbar, wie es damals gewesen ist. Ich finde es jedoch gut, den oft so eingeengten Blick weg von den kleinen, persönlichen, täglichen Missstimmungen oder Anstrengungen zu lenken und größer zu denken, weiter und auch einmal den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Dann wird manches viel kleiner und unwichtiger, anderes bekommt höhere Priorität. Und es entsteht auch viel Dankbarkeit. Das ist mein heutiges Fazit.

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