Teil 3: Erinnerungen oder Das, was übrig bleibt

Die Reisende ist wohlbehalten wieder zuhause angekommen. Tatsächlich schon etwas länger. Angesammelte Arbeit, Alltag und eine fiese Krankheit haben die Zeit für sich in Anspruch genommen. Doch dieser zeitliche Abstand macht es vermutlich einfacher, etwas herauszufinden.
Nämlich die Antworten zu finden: welche Spuren hat die Reise hinterlassen? Wurde die Reisende verändert?

Und während in Gedanken alle Stationen nochmal durchgegangen werden, alle Begegnungen und Erfahrungen noch einmal durchlebt, so drängt sich ein abstrakter Begriff in den Vordergrund: Erinnerung. All dies, die ganzen 9 Tage sind nur noch in der Erinnerung lebendig, sie sind Vergangenheit, können jedoch ins Jetzt geholt werden, sobald man sich zurückerinnert. Was genau ist es jedoch, was wiedergeholt werden kann? Ich kann wohl nicht für die gesamte Menschheit sprechen, doch für mich gilt: Im Prinzip recht wenig, doch einige Momente haben sich wie unauslöschlich und vollständig eingebrannt. Der Raum, die Stimmung, die betreffenden Personen, ihre Gefühle, die eigene Empfindung, das eigene Verhalten und das der anderen – ein kleiner Film, der abläuft. Und zwar immer, wenn ich daran denken möchte. Und habe ich mich damals gefreut, so wird auch das Jetzt von genau dieser Freude durchdrungen, die ich da empfunden habe. So wie in der U5 in Frankfurt, als ich hinter zwei jungen Männern saß, die äußerlich wohl kaum weniger unterschiedlich sein konnten. Man schwieg sich an, Desinteresse und Langeweile schwebte über ihren Köpfen, bekleidet von Musik aus den Kopfhörern des mir näher Sitzenden. Welcher Enthusiasmus entstand aber, als die beiden kurz vor meiner Ausstiegshaltestelle feststellten, dass sie aus demselben Land jenseits des Atlantischen Ozeanes stammen. Ein höchst angeregtes, interessiertes und freudiges Gespräch entstand, welches mich innerlich und wohl auch äußerlich zum Lächeln brachte.
Andere Beispiele wären der kubanische, pfeifenrauchende Mann in Göttingen, dem ich mit Kinderschokolade Freude bereiten konnte –  die unfreiwillige Nacht im Schwarzwald, die so nicht geplant war, aber sich als eins der schönsten Erlebnisse der Reise herausstellte – oder der Moment, als ich in die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel eintrat und diese Mengen an alten und ältesten Büchern erblickte!

Welch faszinierender Reichtum. Und damit meine ich auch den Wissensschatz jener gesammelten Werke, aber vor allem das, was ich an Empfindungen, in Erinnerungen verpackt, mitgenommen habe.

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