Auf in den Dschungel.

Neues hat einen besonderen Reiz. Die Unbekanntheit dessen, alles ist möglich, nichts kann aus Erfahrung erwartet werden, die Spannung ist hoch und schärft die Sinne noch umso mehr. Etwas Positives wird dadurch im höchsten Grade angenehm erlebt.

In ähnlicher Weise geschieht es Einem, der etwas Geliebtes lange Zeit nicht zu tun vermochte oder wollte. Vielleicht war die Schönheit dessen schon in der Erinnerung verschleiert, vergessen oder verleugnet. Jetzt aber, da er die Sache neu entdeckt, vielleicht mit neuen Augen betrachten kann, mit veränderten Sinnen erlebt, erscheint sie wieder in vollem Glanze. Welch eine Freude.

Wie lang habe ich kein Buch in der Hand gehabt, welches mich fesselt, welches mit erhebt, motiviert, mir mit jedem Satz die Schönheit der Grammatik, der Prosa, des Stils, der sprachlichen Fähigkeiten an sich vor Augen hält und mich daran freuen lässt. Ein Buch, dass mich aus dem Hin und Her des Alltags herausholt und das Universum als unendlich zeichnet, mit klaren Linien und mit Wegen, an denen ich hinein- und hinausschlüpfen kann. Wie wunderbar, wenn Erlebtes, für das bisher die Worte oder die Möglichkeit, sie auszudrücken, gefehlt haben, plötzlich schwarz auf weiß durch jemand anderes ausgedrückt wird; wenn ein erlebtes Paradoxon, eine Qual in einem anderen Licht dargestellt wird, so dass sich die Unmöglichkeit aufhebt und lebbar wird.

Wie in einem Dschungel, den man Tag für Tag durchkämpft, sich die Schlingpflanzen vom Körper hält, mit der Machete einen Weg bahnt, wilden Tieren trotzt, der Angst in der Nacht begegnet – und plötzlich entdeckt man eine Leiter, hoch hinauf in die Gipfel, sie führt zu einer kleinen Plattform, von der aus man die Wipfel von oben sieht, den Sternenhimmel, der alles umspannt und eine Ruhe erfährt, die am Erdboden für nicht möglich gehalten werden kann. Sanft streicht der Wind durch die Bäume und nach einer Weile erkennt man ein Ziel, menschliche Behausungen, ein Ende der Wildnis, alles fügt sich in ein Bild und man fühlt sich geborgen.
Warte, einen Moment noch verweilen, Kraft tanken und jetzt.
Auf in den Dschungel.

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