Von der Individualität der Menschen oder Warum ich ständiges Vergleichen ablehne

SAMSUNG DIGITAL CAMERAEltern, aber noch viel mehr Großeltern, meistens Bekannte und oft auch Unbekannte haben die Angewohnheit Babys mit  ihren eigenen Sprösslingen oder auch Enkeln ständig und bei jeder Gelegenheit zu vergleichen. Vergleichskriterium auf dem Spitzenplatz wäre zu Beginn wohl das „Durchschlafen“. Knapp dahinter, ob das Kind schon krabbeln oder laufen kann. Danach in beliebiger Reihenfolge das Sprechen, Essverhalten, Spielverhalten, Toilettengangverhalten, Schnullerbedürfnis usw. etc. pp.
Wie sehr man selbst als Elternteil auf diesen Wettkampf der Fähigkeiten konditioniert ist, merkt man daran, wie sich einem die Angsthaare im Nacken aufstellen, wenn der Kinderarzt zur regulären Untersuchung der motorischen Fähigkeiten des Babys danach fragt, ob er/sie denn schon in Bauchlage etwas greifen kann. Ja sicher, können schon, zuhause. Nur hier wird er/sie das mit Sicherheit nicht machen, weil ja alles fremd ist und er/sie nicht in Spiellaune und sowieso müde. Und dann muss er/sie sich auf eine fremde Liege legen und jemand Fremdes legt etwas vor ihn/sie hin. Ne, da macht er/sie nicht mit. Ist ja auch kein Hund und weiß noch nicht, dass es gut ankommt, das erwartete Verhalten auf Kommando zu zeigen.

Nun gut, mit anderen Eltern redet man gern über die eigenen Kinder und tauscht Tipps aus. Mal ist man stolz, wie weit das eigene Kind ist, mal fühlt man sich gezwungen sich zu rechtfertigen. Nur mal ehrlich: sind Babys nicht auch einfach nur Menschen? Kann man etwa Erwachsene nach ihrem Schlafverhalten in einen Topf werfen, nur weil sie etwa gleich alt sind? Ist es wirklich so entscheidend, und wenn ja für was, ob jemand mit 26 Wochen oder mit 32 Wochen sitzen kann? Ab einem gewissen Alter ist der Charakter eines Kindes offensichtlich und keiner zweifelt daran, dass ein individueller Mensch vor einem steht. Ist das denn nicht schon von Geburt an so? Und somit jeglicher Vergleich hinfällig, da er eh nur das zu erwartende Ergebnis zeigt; nämlich das Menschen unterschiedlich sind?

Und aus noch einem Grund lehne ich es ab, Menschen jeglichen Alters irgendwie vergleichend zu bewerten. Was macht es denn mit einem Kleinkind, wenn es mitbekommt,  dass es früher oder später durchgeschlafen, schneller oder  langsamer sitzen konnte usw? Ganz egal, was von beidem zutrifft. Es weiß ja noch nicht, was „normal“ ist und welche Bedeutung es realistisch gesehen für die Entwicklung hat. Und noch schlimmer, es weiß noch nicht,  dass diese Unterschiede einfach überhaupt nichts mit dem eigenen Wert zu tun hat. Es hört nur, ich bin anders als andere, mit mir stimmt etwas nicht, ich bin falsch. Und das will niemand einem Kind bewusst mitgeben.

Warum müssen wir dann immerzu vergleichen? Was ist so schwer daran, einem Baby eine langsame individuelle Entwicklung zuzugestehen?

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