Die Löcher

Löcher kenne ich gut, diese Dinger. In meinem Leben gibt es so manche; ich habe hier mal versucht, sie zusammenzufassen.

Da wären zum Beispiel die Löcher in der Erinnerung „Habe ich heute schon was getrunken, oder nicht? Was sollte ich morgen der Tagesmutti mitbringen? Wie lang ist der letzte Besuch bei den Urgroßeltern her?“ Solche Sachen. Die Zeit, sie rast und wir kommen nicht hinterher. So wenig Kraft. Das liegt wohl auch an den Löchern im regelmäßigen Schlaf. 5 Stunden am Stück schlafen? LUXUS! Es gab Zeiten, da war ich sehr froh, überhaupt mal in eine Tiefschlafphase zu kommen.
Löcher entstehen auch im Freundeskreis. Bedingt durch den Umzug, allerdings verstärkt durch die mangelnde Flexibilität und die Unmöglichkeit, abends wegzugehen. In den letzten anderthalb Jahren genau 3! Mal probiert. Jeweils nach 0,75 bis 1,5h zurückkehren müssen, da das Kind erwachte und ohne Mama nicht wieder einzuschlafen gedachte. Es bleiben verständnisvolle und andere Eltern von kleinen Kindern, mit denen man sich hin und wieder privat oder auf dem Spielplatz treffen kann. Der Kreis der Menschen, mit denen man zu tun hat, begrenzt sich enorm. Auf Arbeit die Kollegen, die Tagesmutti, die Verwandtschaft, die man oft besucht, die Nachhilfekinder, die zu mir kommen und der Tankwart/Supermarktkassiererin/Bäckereiverkäuferin. Bemühen muss ich mich schon arg, hin und wieder die Mütter in der Krabbelgruppe zu treffen oder alten Freunden zu schreiben (Mail / SMS). Die restliche Zeit wird mit Kind verbracht, drin und draußen. Die Hausnachbarn und die Gartennachbarn hätte ich beinahe vergessen, doch damit ist der menschliche Kontakt komplett erschöpft! Für viele Menschen ist das sicher normal, ich finde es viel zu eng!
Ein weiteres Loch wurde in verschiedenen Medien vielfach hoch- und runterdiskutiert, nämlich das finanzielle Loch im elterlichen / mütterlichen Portemonnaie. Nach einer quasi Vollzeitstelle vor der Geburt bin ich nun in einem Minijob gelandet, der monatlich eher 200€ – 300€ abwirft. Davon gebe ich die Hälfte der Tagesmutti, die in der Arbeitszeit das Kind wunderbarst betreut (kann ich nicht genug betonen!). Den Rest erhält der Supermarkt, oder Online-Shops bzw. örtliche Läden für Kinderbedarf. Ach ja, Kindergeld kommt dazu, danke Staat! Reicht, oder? Hm.
Die Löcher, die mich am stärksten belasten, sind die emotionalen. Nach dem Krankenhausaufenthalt und den ersten Tagen zuhause, als ich einfach nur froh war, wieder zuhause zu sein, erfasste mich z.B. eins. Plumps. Drin.* Erschöpft sein, nicht wissen, wofür man das alles macht, war es das schon im Leben? Werde ich die nächsten 10-15 Jahre nichts anderes machen? Wann habe ich überhaupt Zeit für mich? Ist das abendliche Sitzen auf dem Sofa wirklich die tägliche Erfüllung? Irgendwann läuft der Alltag so reibungslos, dass man nicht mehr dazu kommt, daran zu denken. Oder die mangelhafte Erinnerung lässt einen vergessen, hat also auch sein Gutes, so ein Loch.

Und dann kommen Momente, da helfe ich dem Kind über die Löcher auf dem Weg hinweg, steche Löcher in Eier um sie dann auszublasen und gemeinsam anzumalen und bin begeistert, wie sich das Kind Löcher in den Bauch freut über die Katze der Nachbarin.

Diese Dinger, ich werde wohl mit ihnen auskommen müssen.

 

*Fairerweise muss ich erwähnen, dass ich solche Phasen auch vor dem Kind gut kannte.

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