*schnapp*

Wenn ich mich bei meinen Erziehungsversuchen um etwas bemühe, dann kann das vielleicht mit „sorglos“ oder „unbeschwert“ beschrieben werden. Gerne darf das Kind mal ein Messer in die Hand nehmen und zusammen mit mir ein Stück Melone auseinanderschneiden. Oder ich habe kein Problem, wenn es auf den Hochstuhl klettert und ein- und aus- und ein- und aussteigt, solange es lustig ist. Natürlich passe ich auch da auf und wäre notfalls zur Stelle (hoffe ich).

Ich habe nun vorgestern bemerkt, dass sorglos leicht in gedankenlos übergeht. Aber der Reihe nach. Nach dem Mittagsschläfchen machten wir uns beide auf den Weg zur Oma im Nachbarort, die die Nachmittagsbetreuung übernimmt, während ich weiter zum Nachhilfekind fahre. Tasche 1 und 2 im Arm laufen wir zum Auto, das Kind hilft mir beim Autoöffnen, indem es auf den Knopf am Schlüssel drückt. Ich setze das Kind in den Sitz und schnalle es an. Hier nun mein erster Fehler: ich lasse den Autoschlüssel in des Kindes Hand! Man ahnt es schon. Ich schließe die Tür und räume die Taschen in den Kofferraum, wobei sich nun Fehler Numero zwo anschließt: ich schließe den Kofferraum, in dem sich nun die Tasche mit Wohnungsschlüssel befindet.

*schnapp* !!!!

Das Geräusch! Das Auto-Schließ-Geräusch! Kind drin, *schnapp*Schlüssel drin, ich draußen! Mich gruselt. Der Autozweitschlüssel liegt natürlich in der Wohnung, Wohnungsschlüssel im Auto. Das Handy zum Anrufen meiner Mutter, die einen Zweitschlüssel zur Wohnung hat, liegt in der Wohnung, ich Dussel. Und der Schlüssel zur Wohnung… ich drehe mich gedanklich im Kreis, während ich zur Autotür laufe und sehe, wie das Kind sich freut, dass es diese schwierige Aufgabe schon wieder geschafft hat. Die Freude des Kindes wächst, als ich anfange, komische Verrenkungen zu machen, um zu zeigen, dass es erneut auf den Knopf drücken soll, allerdings diesmal auf den Auto-Öffnen-Knopf. „Mach schnapp!“ sage ich und frage mich panisch, wieviel ein 20-monatiges Kleinkind schon verstehen kann und ob ich noch mehr Erklärungsversuche starten soll oder lieber darauf vertrauen, dass es jede Herausforderung begeistert annimmt. Mein Herz!! Jetzt streckt das Kind mir erstmal den Schlüssel entgegen; „lass nicht fallen!!“, rufe ich in Gedanken. Ich schicke ein Stoßgebet, das Kind möge in diesem Moment motorisch und verständnismäßig über sich hinauswachsen. Ich seh mich schon mit Stöcken und Steinen auf die Scheibe einschlagen, um das Kind zu befreien. Das hätte es wohl noch mehr begeistert, als diese wild fuchtelnde Mama vor der Autotür, die irgendwas will und komischerweise nicht einsteigt, so wie sonst immer.
Ich weiß nicht, ob es sich nur um Sekunden oder Minuten handelte. Plötzlich macht es wieder *schnapp* und das Auto ist offen. Das Kind freut sich, ich reiße die Tür auf und knutsche es ab.

Ab heute doch helikoptern!!

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