„Das Kind hat dich ganz schön im Griff“

Im letzten Blogpost habe ich erzählt, wie ich rätseln musste, was diese Aussage bedeutet und was mich daran stört. Dazu ein paar kurze Gedanken.

Etwas im Griff zu haben, bedeutet, Kontrolle auszuüben, jederzeit die Oberhand zu haben, zu bestimmen, was passiert oder was nicht. Es beinhaltet also ein gewisses Bewußtsein dafür und den Willen dazu, die Dinge zu bestimmen und gewisse Ziele zu erreichen.

Dies auf ein Kleinkind zu beziehen, heißt also, man nimmt an, dass das Kind Dinge kontrollieren will, dass es bewusst manipuliert und seinen Willen durchsetzen will. Dieses Denken befindet sich also in derselben Kategorie wie die Annahmen „es schreit, um seinen Willen durchzusetzen“, „es ist wütend, um die Eltern zu manipulieren“ etc. Dafür braucht es ein Ich-Bewußtsein, oder? Soweit ich weiß, entsteht das genau in dem Alter, in dem das Kind gerade ist (18-24 Monate).*
Natürlich wird der enstehende Willen kräftig ausgetestet und ausgereizt. Wie weit kann ich gehen? Wo ist die Grenze? usw. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass es mich kontrolliert.
Wenn es in einer Situation ist und nicht weiter kommt, sich erstmal nicht selbst helfen kann, so wendet es sich um Hilfe an mich. Das ist ja gut! Ich kann sofort helfen (z.B. wenn ich gerade keine Zeit oder Geduld für lange Auseinandersetzungen habe) oder ich mache Mut, dass es nochmal probiert und es auch schaffen kann! Wie auch immer, letzten Endes sehe ich dazu, dass das Kind ein Erfolgerlebnis und weiterkommt. So kann es ja lernen, dass es okay ist, was es will und dass es das auch erreichen kann, entweder indem es sich anstrengt oder eben eine Vertrauensperson um Hilfe bittet. Super.
Wenn es nun wie in der zuerst beschriebenen Situation ist und partout nicht in den Sitz auf der Rückbank möchte, ist das etwas anders. Wir mussten auf jeden Fall mit dem Auto heim fahren, es war Zeit für den Mittagsschlaf, da gab es keine Alternative. Dazu musste es aber in den Sitz und angeschnallt werden. Ich könnte es nun zwingen, damit den Willen brechen und erst mit dem Protest und dann der Enttäuschung des Kindes etc leben. Vielleicht wird auch ein kleines bisschen das Vertrauen zu mir angeknackst, wer weiß. Ich kann auf der anderen Seite „nachgeben“ und mich dem Willen beugen, was ja zu dem Kommentar veranlasst hat. Indem ich aber eine Möglichkeit anbiete, wie wir beide unseren Willen bekommen (heimfahren auf dem Beifahrersitz), konnten wir den Konflikt relativ unbeschadet überstehen.

Ist das nicht die bessere Wahl? Ich habe hier doch nichts an Autorität eingebüßt (zumindest weiß ich das jetzt im Nachhinein, da der Sitz hinten mittlerweile wieder überhaupt kein Problem darstellt, es war also nur eine kurze Phase) und der Willen des Kindes wurde respektiert, sodaß es sich nicht herabgewürdigt fühlen mußte. Die Dinge habe ich als Elternteil (zwangsweise) im Griff (zumindest meistens ^^) unter Berücksichtigung des Willens meines Kindes.

Dazu kenne ich einen schönen Text von der mäandernden Erziehung. Darauf gekommen bin ich dankenswerter Weise durch den Blog von MamahatjetztkeineZeit. Danke! Ich denke, das hat mir in den letzten Monaten schon oft geholfen, bei aller Hilflosigkeit meinerseits als Erstlingsmutti.

* Vorher hat das Kind einfach nicht die Fähigkeit und deshalb lehne ich es ab, solche Dinge zu glauben. Ein Baby schreit, weil es ein Problem hat und ein Kleinkind ist wütend, weil es eben gerade wütend ist und nicht um auf lange Sicht die Eltern zu „erziehen“. Wie absurd.

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