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Von der Ruhe

die Decke

die Decke

Zusammengekauert liege ich unter einer Decke. Es ist sehr warm. Einer der ersten schönen Frühlingstage dieses Jahr. Die Sonne scheint ungehindert auf die Wiese auf der ich liege. Um mich ist vieles zu hören, das Lärmen der Kinder, Vogelzwitschern, Gespräche der Erwachsenen.

 

Ich atme flach, da die Decke einen unangenehmen Eigengeruch trägt.

Die Last der vergangenen Woche ist noch deutlich zu spüren; Zeitdruck, betriebliche Sorgen, das Hetzen zwischen Firma und Kindergarten, der wenige Schlaf in den (selbstverschuldet) kurzen Nächten, die spärliche Erholung am Abend. Nur selten gelingt es wenigstens am Sonntag wie heute dies abzuschütteln.

Doch in diesem Moment unter der Decke komme ich dem sehr nahe. Ganz allein, in völliger Ruhe bei  mir, mit gutem Grund und damit gerechtfertigt liege ich hier. Deshalb auch ohne jegliches schlechtes Gewissen, ganz im Gegenteil zu den Momenten, in denen ich mich heimlich aufs „stille“ Örtchen schleiche, um ganz kurz meine Ruhe zu haben (und jedes mal „erwischt“ werde).

Des Kindes Bedürfnis, nicht allein zu sein ist groß, und meines, genau dieses sein zu können, ebenso.

Und so liege ich nun hier und genieße die Zeit unter der Decke in vollen Zügen. Lang kann sie sowieso nicht dauern. Nach ca. 20 Sekunden höre ich die kleinen Schritte nähern kommen, leise wird geflüstert, abrupt die Decke hochgezogen und aus voller Seele gekichert: „Gefunden! Jetzt versteck ich mich!“

Ein wahrer Moment Glück.

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Augenblicke. Hier: Auf dem Dorf

Auf einem Dorf – und damit meine ich kein hypothetisches, sondern ein real existierendes kleines Dorf, mit gar nicht mal so vielen Bewohnern, die sich alle mehr oder weniger gut kennen. Auf diesem Dorf nun gibt es eher wenige Orte oder Zeiten, an denen sich die Menschen versammeln (können). Kein gemeinsames Tatort-Schauen, keine Konzerte, keine Kneipen. Da gibt es zumindest den Gottesdienst in der Dorfkirche, das Dorffest, die Kirmes und evtl. noch ein Straßenfest, ach und das alljährliche Reitfest natürlich.

Die schönste Ansammlung aber ist eindeutig diejenige am Samstag morgen (gegen 8 Uhr) beim Bäcker. Frische Brötchen, Brot sowie Kuchen für das Wochende muss besorgt werden. Denn sonntags haben ja alle Läden zu. Die Menge ist äußerst divers, alt und jung, Frauen und Männer und so. Neben einem gemurmelten „Morgn“ wird kaum geredet. Nur hier und da, aber es soll ja schnell gehen, die Schlangen (drei an der Zahl drängen sich auf engstem Raum) werden lang und länger.
Aus irgendeinem Grund grüßt der bekannte Vater nur widerwillig, fast unfreundlich, obwohl wir uns des öfteren begegnen. Vielleicht weil er Streß hat, seine Frau das sechste Kind erwartet, irgendwas.
Die Kassiererin macht hin und wieder Smalltalk. Vermieden werden aber kritische Themen, die nur unter vier Augen besprochen werden und wobei das Gespräch sofort verstummt, sobald ich dazutrete. …ganz schön schwierig für die, die da wohnen, da wird ganz schön viel zugemutet…“ Natürlich geht es um die neu zugezogene Familie aus Syrien. Die Vorurteile sitzen tief. Den Rassismus will nur niemand offen zugeben. „Nazis? Wir doch nicht, wir sind doch christlich hier im Dorf.“ Mir wird schlecht bei solcher Scheinheiligkeit.
Dann riecht es wieder so gut. Frisch gebacken. Die Bäckerin bringt eine neue Stiege Brötchen. Viel Auswahl habe ich aber nicht mehr, da hätte man eher kommen müssen. Der Heimweg ist beseelt von dem Appetit auf ein leckeres Frühstück.