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the game is on

Manchmal komme ich mir vor, wie in einer schlechten aber dennoch witzigen Gameshow. Aufreibend für die Teilnehmenden, aber von außen betrachtet recht witzig. (Gut, dass ich mich auch manchmal mit Abstand betrachten kann). Und das kommt so:

Stellt euch vor ihr seid in einer Reality-Show und hättet täglich dieselbe Aufgabe, die darin besteht, eine Spielpartnerin* ins Bett zu bringen. Nun darf sich diese Mitspielerin ein kleines, aberwitziges Detail ausdenken, jeden Tag neu, welches zuerst erfüllt sein muss, bevor diejenige bereit ist, einzuschlafen. Und ich meine wirklich dämliche Dinge, nichts so offensichtliches wie: zu warm, zu kalt, zu hell. Sondern: ein Buch unterm Bauch oder das Kopfkissen AUF dem Kopf und nicht darunter. Erst wenn ihr dieses Detail exakt so hergerichtet habt, ist Ruhe. Ohne jegliche verbale oder andersweitige Hinweise. Ewigkeiten kann das dauern, kann man sich ja vorstellen. Kurz vor der Verzweiflung – keine Seltenheit. Und es ist ja nicht so, dass man einfach die Show abbrechen könnte und nach Hause gehen.
Denn, ihr ahnt es, die Gameshow ist mein Leben und  ja, ich meine natürlich das Kind beim abendlichen Zubettgehen. Ich bin jedoch schon ziemlich weit gekommen, in diesem Spiel, finde ich.

Schön auch, dass es wohl Kinder gibt, die man wach ins Bett legen und rausgehen kann (ich hörte davon). Aber wie langweilig wäre das denn, nicht wahr? The game must go on!

*Ich verwende generisches Femininum. Spielpartner sind natürlich mitgemeint, die stecken ja schon im Wort drin, nicht wahr.

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Eigentlich

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche etwas schreiben. So richtig positiv.

haende

Hände – groß und klein

Darüber, wie schön ich es mittlerweile finde, Zeit mit dem Kind zu verbringen, also fast gar nicht mehr anstrengend und meinen eigenen Bedürfnissen/Vorstellungen entgegenlaufend, sondern richtig herzerwärmend und toll. Einen Monat vor dem 2. Geburtstag (!wow!) kann es sich richtig gut ausdrücken, die meisten Sachen benennen, sagen, was es will und was es nicht will, es ist oft ausgeglichen, freut sich über kleinste Dinge, lässt sich leicht begeistern und kann vieles selbst machen (Papier schneiden, sich die Hände waschen, ganzen Joghurt auslöffeln…). Am liebsten ist es bei und mit anderen Kindern, was ich gerne jederzeit ermögliche, ob es nun die Kinder aus der Einfamilienhaussiedlung in der Nähe sind oder der Cousin.
Letzte Woche (die Woche vor unserem Urlaub) war ansonsten eine normale Arbeitswoche, außer dass meine Kollegin im Urlaub ist, ich ihre unverschiebbaren Aufgaben teils mit leisten muss und der Chef gerade aus dem Urlaub zurückkam und seine theoretische zweite Urlaubswoche absagte und die Firma mit Streß und Arbeit erfüllte. Es war also anstrengend auf Arbeit, ein schöner Kontrast am Nachmittag mit dem Kind. Am Freitag war nachmittags ein Lehrgang, was den Streß potenzierte, mir die sonstige Mittagspause nahm und ich erst kurz vor 5 zuhause war. So fertig war ich schon lange nicht.Und dann, am Samstag, dem ersten freien Tag, fühlte es sich so an, als würde ich zusammenbrechen. Kraft: Fehlanzeige, Motivation: keine, Geduld: fast aufgebraucht, Freude: wo? Das kenne ich schon aus der Prüfungszeit oder anderen größeren Anstrengungen. Da lebt man nun auf etwas hin und gibt alles, um die schwierige Zeit vorher zu überstehen und dann ist es soweit (endlich Ferien!) und man stürzt erstmal in ein Loch. Schwierig, das. Vor allem, da ich (ungeplant) erstmal alleine mit dem Kind war.
An der Stelle wollte ich dann eigentlich wieder in den Blog schreiben und mich beschweren, dass ich gerne einfach wieder Alltag hätte, dass ich genug vom Urlaub habe und der schon lange nicht mehr das ist, was er mal war.

Na und dann ging auch der Tag vorbei, besser als ich befürchtete. Es war Kinderstraßenfest, wo ich viele Bekannte getroffen habe, am Sonntag ein kleiner familienbedingter Ausflug mit dem Auto etwas weiter weg, was das Kind gut mitgemacht hat (ist nicht selbstverständlich). Das war auch gut, obwohl kein schöner Anlass. Das Kind ist abends deshalb zeitig ins Bett, ich auch und endlich mal wieder war es eine gute Nacht (kühl, keine Party vor dem Fenster, kein Gewitter, keine Mücken).

Heute morgen also sah unsere Urlaubswoche gar nicht so schlecht aus. Und stellen Sie sich vor, ich hatte sogar etwas Zeit für mich! Der Mann furh mit Kind zum Einkaufen und ich in den Garten. Gerade als ich ankam, fing der Himmel an, aus allen Wolken Wasser zu schütten, so dass ich mich knapp noch in die Hütte retten konnte. An Gartenarbeit war nicht wirklich zu denken, ein Buch hatte ich leider nicht mit. Also just-for-me-moment! Aber sowas von. Einfach da sein, nach innen gehen können, von nichts und niemand gefordert, gedrängt werden. Danke!

Und eigentlich war es höchste Zeit für me-time, denn das fiel in letzter Zeit ziemlich dünn aus. Ich bin nun wieder versöhnt mit der Welt. Denn eigentlich ist mein Leben gerade gar nicht so schlecht.

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„Das Kind hat dich ganz schön im Griff“

Im letzten Blogpost habe ich erzählt, wie ich rätseln musste, was diese Aussage bedeutet und was mich daran stört. Dazu ein paar kurze Gedanken.

Etwas im Griff zu haben, bedeutet, Kontrolle auszuüben, jederzeit die Oberhand zu haben, zu bestimmen, was passiert oder was nicht. Es beinhaltet also ein gewisses Bewußtsein dafür und den Willen dazu, die Dinge zu bestimmen und gewisse Ziele zu erreichen.

Dies auf ein Kleinkind zu beziehen, heißt also, man nimmt an, dass das Kind Dinge kontrollieren will, dass es bewusst manipuliert und seinen Willen durchsetzen will. Dieses Denken befindet sich also in derselben Kategorie wie die Annahmen „es schreit, um seinen Willen durchzusetzen“, „es ist wütend, um die Eltern zu manipulieren“ etc. Dafür braucht es ein Ich-Bewußtsein, oder? Soweit ich weiß, entsteht das genau in dem Alter, in dem das Kind gerade ist (18-24 Monate).*
Natürlich wird der enstehende Willen kräftig ausgetestet und ausgereizt. Wie weit kann ich gehen? Wo ist die Grenze? usw. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass es mich kontrolliert.
Wenn es in einer Situation ist und nicht weiter kommt, sich erstmal nicht selbst helfen kann, so wendet es sich um Hilfe an mich. Das ist ja gut! Ich kann sofort helfen (z.B. wenn ich gerade keine Zeit oder Geduld für lange Auseinandersetzungen habe) oder ich mache Mut, dass es nochmal probiert und es auch schaffen kann! Wie auch immer, letzten Endes sehe ich dazu, dass das Kind ein Erfolgerlebnis und weiterkommt. So kann es ja lernen, dass es okay ist, was es will und dass es das auch erreichen kann, entweder indem es sich anstrengt oder eben eine Vertrauensperson um Hilfe bittet. Super.
Wenn es nun wie in der zuerst beschriebenen Situation ist und partout nicht in den Sitz auf der Rückbank möchte, ist das etwas anders. Wir mussten auf jeden Fall mit dem Auto heim fahren, es war Zeit für den Mittagsschlaf, da gab es keine Alternative. Dazu musste es aber in den Sitz und angeschnallt werden. Ich könnte es nun zwingen, damit den Willen brechen und erst mit dem Protest und dann der Enttäuschung des Kindes etc leben. Vielleicht wird auch ein kleines bisschen das Vertrauen zu mir angeknackst, wer weiß. Ich kann auf der anderen Seite „nachgeben“ und mich dem Willen beugen, was ja zu dem Kommentar veranlasst hat. Indem ich aber eine Möglichkeit anbiete, wie wir beide unseren Willen bekommen (heimfahren auf dem Beifahrersitz), konnten wir den Konflikt relativ unbeschadet überstehen.

Ist das nicht die bessere Wahl? Ich habe hier doch nichts an Autorität eingebüßt (zumindest weiß ich das jetzt im Nachhinein, da der Sitz hinten mittlerweile wieder überhaupt kein Problem darstellt, es war also nur eine kurze Phase) und der Willen des Kindes wurde respektiert, sodaß es sich nicht herabgewürdigt fühlen mußte. Die Dinge habe ich als Elternteil (zwangsweise) im Griff (zumindest meistens ^^) unter Berücksichtigung des Willens meines Kindes.

Dazu kenne ich einen schönen Text von der mäandernden Erziehung. Darauf gekommen bin ich dankenswerter Weise durch den Blog von MamahatjetztkeineZeit. Danke! Ich denke, das hat mir in den letzten Monaten schon oft geholfen, bei aller Hilflosigkeit meinerseits als Erstlingsmutti.

* Vorher hat das Kind einfach nicht die Fähigkeit und deshalb lehne ich es ab, solche Dinge zu glauben. Ein Baby schreit, weil es ein Problem hat und ein Kleinkind ist wütend, weil es eben gerade wütend ist und nicht um auf lange Sicht die Eltern zu „erziehen“. Wie absurd.

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Uhurlaub

Die letzten Wochen waren geprägt von viel Sonne und Wärme, außerdem jede Menge Regen, Gewitter, hellen Abenden, was das zeitige Einschlafen des Kindes verhindert, Wochenenden ohne Papa, dessen Job sich nunmal auf diese Zeiträume konzentriert, besonders im Sommer. Und vergangene Woche zwei Tage Urlaub,

Sommerlektüre

Sommerlektüre

Kühlgel, ich danke dir!

Kühlgel, ich danke dir!

der es in sich hatte. Eigentlich war nämlich alles dabei: ein wenig Sonnenbrand, fast in ein Gewitter geraten, ein großes Gewässer (Elbe), gute Urlaubsbegleitung, von einem unbekannten Insekt gestochen werden und eine beachtliche Schwellung am nächsten Tag, Fahrradtour, historisches Gemäuer besuchen, unterwegs essen, shoppen, Zeit, um mal in ein Buch zu schauen, aber sehr sehr wenig Schlaf.

Nur eigentlich, denn ich brauche nun doch mindestens zwei Tage, um irgendwo anzukommen, so seelisch. Das war hier per se nicht  möglich. Wie auch immer. Ich freue mich nun wieder auf den Alltag! Das ist ja auch eins der vielen Vorteile von Urlaub. *smileyeinfügen*

Eine ganz andere Sache noch: eine Aussage, unabhängig voneinander von zwei Personen geäußert, ließ mich in der letzten Zeit etwas ratlos zurück und ich grübel seitdem hin und wieder darüber. Falls es möglich ist und jmd mir antworten möge: was heißt es, wenn gesagt wird „das Kind hat dich ja ganz schön im Griff“? Situation 1: das Kind will partout beim Leben nicht in den Kindersitz auf die hintere Sitzbank, ich schnalle also kurzerhand den Sitz auf den Beifahrerplatz und wir können ziemlich friedlich losfahren. Situation 2: das Kind fährt mit der Kutsche und kommt an ein Hindernis, an dem es hängenbleibt. es sagt „gehtnich“, ich stehe auf und schiebe die Kutsche so, dass die Fahrt weiter gehen kann. ??

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Angespannt

Es ist ja nun so. Leben mit Kind/ern ist anstrengend. Manchmal nur so, oft zusätzlich lustig, faszinierend, erhellend, stressig, wunderbar. Letztes Wochenende war schön, leider war ich in Gedanken schon bei Montag. Da sind bei uns die Holzfenster außen gestrichen worden, zur Erhaltung derselben. Da die Tagesmutti frei hatte und das Kind sowieso zu Hause bleiben musste, konnte ich selbst nicht auf Arbeit. Ich war also den ganzen Tag zuhause, habe gekocht, das Kind zur Mittagszeit im Fahrradanhänger geschoben,  wo es schlafen konnte (die Wohnung war ja voller Farbdämpfe), bin dann, als die Maler fort waren, zu meinen  Eltern gefahren und konnte das Kind, wie üblich, dort unterbringen, während ich noch zu einem meiner Nachhilfekinder gefahren bin. Danach haben wir mit bei meinen Eltern Abendbrot gegessen und ebenfalls dort genächtigt. Am Morgen nach dem Frühstück Kind zur Tagesmutti, Geburtstagsgeschenk dagelassen, auf Arbeit und mittags wie sonst auch, Kind abholen, heimfahren und ins Bett legen. Eeendlich Pause!
Aber so angespannt wie gestern mittag war ich lang nicht. Ich wusste so gar nichts mit mir anzufangen, was mich runtergebracht hätte. Buchhaltung hat dann geholfen.
Äußerlich Ordnung schaffen bewirkt bei mir auch innerliches Ordnen.

Aber ich will mich wirklich überhaupt nicht beschweren. Deswegen.  Ich kann dennoch überlegen, was mir an solchen Tagen oder Phasen helfen könnte. Wenn ich so nachdenke, fällt mir kaum ein Tag ein, an dem ich etwas Schönes nur für mich mache. Nützliches ständig, Sachen für das Kind immer, Aufgaben erfüllen und Job/Nebengewerbe betreiben, ja. Aber die Seele bleibt sehr vernachlässigt und ich merke, das mir vieles fehlt. Also! Wie wäre es mit Sport? Das würde mir sehr gut tun, so wie zu Studiums Zeiten. Oder etwas Kreatives?kreativ Wäre toll! Gartenarbeit, yeah! Das geht leider nur in Absprache mit jmd., der/die auf das Kind aufpasst oder, es kommt einfach mit. Und letztens, das allererste Mal, hat es super geklappt! Es war irgendein Nachmittag, wir hatten nichts vor (was viel zu selten vorkommt und wieder mehr wird, weil ich gerne die Nachhilfe aufgeben will), also packte ich Snacks, Zutrinken, Mütze, Wechselsachen und alles, was man so auf einer Weltreise einem Ausflug in den Garten braucht, lud das Kind ins Auto und fuhr in den Schrebergarten. Es war nicht zu warm, kleines Lüftchen, paar Wolken. Wir machten es uns etwas gemütlich, dann packte ich die Hacke aus, das Kind bekam eine Schaufel in die Hand, ich riss Unkraut raus, das Kind neben mir buddelte in der Erde und bestaunte Erde, Steine, Ameisen und Wurzeln… Momente fürs Herz! Würklich!

Ab jetzt also jeden Tag etwas für MICH!

Ich fange heute an: Schwimmbadbesuch vom Kind und mir mit Schwester und Neffe bzw. Tante und Cousin. So schnell ist ein Nachmittag lang nicht vergangen!

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*schnapp*

Wenn ich mich bei meinen Erziehungsversuchen um etwas bemühe, dann kann das vielleicht mit „sorglos“ oder „unbeschwert“ beschrieben werden. Gerne darf das Kind mal ein Messer in die Hand nehmen und zusammen mit mir ein Stück Melone auseinanderschneiden. Oder ich habe kein Problem, wenn es auf den Hochstuhl klettert und ein- und aus- und ein- und aussteigt, solange es lustig ist. Natürlich passe ich auch da auf und wäre notfalls zur Stelle (hoffe ich).

Ich habe nun vorgestern bemerkt, dass sorglos leicht in gedankenlos übergeht. Aber der Reihe nach. Nach dem Mittagsschläfchen machten wir uns beide auf den Weg zur Oma im Nachbarort, die die Nachmittagsbetreuung übernimmt, während ich weiter zum Nachhilfekind fahre. Tasche 1 und 2 im Arm laufen wir zum Auto, das Kind hilft mir beim Autoöffnen, indem es auf den Knopf am Schlüssel drückt. Ich setze das Kind in den Sitz und schnalle es an. Hier nun mein erster Fehler: ich lasse den Autoschlüssel in des Kindes Hand! Man ahnt es schon. Ich schließe die Tür und räume die Taschen in den Kofferraum, wobei sich nun Fehler Numero zwo anschließt: ich schließe den Kofferraum, in dem sich nun die Tasche mit Wohnungsschlüssel befindet.

*schnapp* !!!!

Das Geräusch! Das Auto-Schließ-Geräusch! Kind drin, *schnapp*Schlüssel drin, ich draußen! Mich gruselt. Der Autozweitschlüssel liegt natürlich in der Wohnung, Wohnungsschlüssel im Auto. Das Handy zum Anrufen meiner Mutter, die einen Zweitschlüssel zur Wohnung hat, liegt in der Wohnung, ich Dussel. Und der Schlüssel zur Wohnung… ich drehe mich gedanklich im Kreis, während ich zur Autotür laufe und sehe, wie das Kind sich freut, dass es diese schwierige Aufgabe schon wieder geschafft hat. Die Freude des Kindes wächst, als ich anfange, komische Verrenkungen zu machen, um zu zeigen, dass es erneut auf den Knopf drücken soll, allerdings diesmal auf den Auto-Öffnen-Knopf. „Mach schnapp!“ sage ich und frage mich panisch, wieviel ein 20-monatiges Kleinkind schon verstehen kann und ob ich noch mehr Erklärungsversuche starten soll oder lieber darauf vertrauen, dass es jede Herausforderung begeistert annimmt. Mein Herz!! Jetzt streckt das Kind mir erstmal den Schlüssel entgegen; „lass nicht fallen!!“, rufe ich in Gedanken. Ich schicke ein Stoßgebet, das Kind möge in diesem Moment motorisch und verständnismäßig über sich hinauswachsen. Ich seh mich schon mit Stöcken und Steinen auf die Scheibe einschlagen, um das Kind zu befreien. Das hätte es wohl noch mehr begeistert, als diese wild fuchtelnde Mama vor der Autotür, die irgendwas will und komischerweise nicht einsteigt, so wie sonst immer.
Ich weiß nicht, ob es sich nur um Sekunden oder Minuten handelte. Plötzlich macht es wieder *schnapp* und das Auto ist offen. Das Kind freut sich, ich reiße die Tür auf und knutsche es ab.

Ab heute doch helikoptern!!

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Die Löcher

Löcher kenne ich gut, diese Dinger. In meinem Leben gibt es so manche; ich habe hier mal versucht, sie zusammenzufassen.

Da wären zum Beispiel die Löcher in der Erinnerung „Habe ich heute schon was getrunken, oder nicht? Was sollte ich morgen der Tagesmutti mitbringen? Wie lang ist der letzte Besuch bei den Urgroßeltern her?“ Solche Sachen. Die Zeit, sie rast und wir kommen nicht hinterher. So wenig Kraft. Das liegt wohl auch an den Löchern im regelmäßigen Schlaf. 5 Stunden am Stück schlafen? LUXUS! Es gab Zeiten, da war ich sehr froh, überhaupt mal in eine Tiefschlafphase zu kommen.
Löcher entstehen auch im Freundeskreis. Bedingt durch den Umzug, allerdings verstärkt durch die mangelnde Flexibilität und die Unmöglichkeit, abends wegzugehen. In den letzten anderthalb Jahren genau 3! Mal probiert. Jeweils nach 0,75 bis 1,5h zurückkehren müssen, da das Kind erwachte und ohne Mama nicht wieder einzuschlafen gedachte. Es bleiben verständnisvolle und andere Eltern von kleinen Kindern, mit denen man sich hin und wieder privat oder auf dem Spielplatz treffen kann. Der Kreis der Menschen, mit denen man zu tun hat, begrenzt sich enorm. Auf Arbeit die Kollegen, die Tagesmutti, die Verwandtschaft, die man oft besucht, die Nachhilfekinder, die zu mir kommen und der Tankwart/Supermarktkassiererin/Bäckereiverkäuferin. Bemühen muss ich mich schon arg, hin und wieder die Mütter in der Krabbelgruppe zu treffen oder alten Freunden zu schreiben (Mail / SMS). Die restliche Zeit wird mit Kind verbracht, drin und draußen. Die Hausnachbarn und die Gartennachbarn hätte ich beinahe vergessen, doch damit ist der menschliche Kontakt komplett erschöpft! Für viele Menschen ist das sicher normal, ich finde es viel zu eng!
Ein weiteres Loch wurde in verschiedenen Medien vielfach hoch- und runterdiskutiert, nämlich das finanzielle Loch im elterlichen / mütterlichen Portemonnaie. Nach einer quasi Vollzeitstelle vor der Geburt bin ich nun in einem Minijob gelandet, der monatlich eher 200€ – 300€ abwirft. Davon gebe ich die Hälfte der Tagesmutti, die in der Arbeitszeit das Kind wunderbarst betreut (kann ich nicht genug betonen!). Den Rest erhält der Supermarkt, oder Online-Shops bzw. örtliche Läden für Kinderbedarf. Ach ja, Kindergeld kommt dazu, danke Staat! Reicht, oder? Hm.
Die Löcher, die mich am stärksten belasten, sind die emotionalen. Nach dem Krankenhausaufenthalt und den ersten Tagen zuhause, als ich einfach nur froh war, wieder zuhause zu sein, erfasste mich z.B. eins. Plumps. Drin.* Erschöpft sein, nicht wissen, wofür man das alles macht, war es das schon im Leben? Werde ich die nächsten 10-15 Jahre nichts anderes machen? Wann habe ich überhaupt Zeit für mich? Ist das abendliche Sitzen auf dem Sofa wirklich die tägliche Erfüllung? Irgendwann läuft der Alltag so reibungslos, dass man nicht mehr dazu kommt, daran zu denken. Oder die mangelhafte Erinnerung lässt einen vergessen, hat also auch sein Gutes, so ein Loch.

Und dann kommen Momente, da helfe ich dem Kind über die Löcher auf dem Weg hinweg, steche Löcher in Eier um sie dann auszublasen und gemeinsam anzumalen und bin begeistert, wie sich das Kind Löcher in den Bauch freut über die Katze der Nachbarin.

Diese Dinger, ich werde wohl mit ihnen auskommen müssen.

 

*Fairerweise muss ich erwähnen, dass ich solche Phasen auch vor dem Kind gut kannte.