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Ein Neuanfang.

ein Jobwechsel – erwachsen werden- die unerträglich schwierige Suche nach mir Selbst

Seit meinem letzten öffentlichen Eintrag ist unerträglich viel Zeit vergangen. Nicht mal mehr kurze Momente schriftlich festzuhalten gelingt mir. Geschweige denn zwei Sätze ins Tagebuch zu schreiben. Die Tag laufen und laufen vorüber, ich wache auf, nach dem Alltag schlafe ich wieder ein und wach dann wieder auf…

Und es passiert so viel, dass ich mir merken / jemandem erzählen / mich darüber freuen / drüber nachdenken / es verarbeiten möchte, ohne dass die Gelegenheit dazu kommt. Es läuft einfach alles weiter. Manchmal geht es mir gut und dann kann ich hin und wieder den Moment genießen und mich darüber freuen, dass es „läuft“. Im letzten Jahr jedoch ging es mir mehrheitlich schlecht und dann schlechter und vor allem nach unserem Urlaub im Sommer richtig schlecht. Es hat lange gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass es psychisch bedingt auf die Arbeitssituation zurück zuführen ist. Bewusst war mir das Problem schon bei meiner Anstellung 2012; ich dachte jedoch, dass ich stark genug sei, damit umzugehen. Da wusste ich auch noch nicht, dass ich ab 2015 meine liebe Kollegin verliere. Doppelte Arbeitslast, doppelt so wenig moralische Unterstützung im Büro. Als ich meine Unzufriedenheit dem Chef gegenüber aussprach, signalisierte er zwar Verständnis, belastete mich aber über alle Maßen mit diversen Grenzüberschreitungen. Und damit stand dann fest – ohne Netz und doppelten Boden – dass ich kündigen werde. Was ich auch tat. Und das war in der Situation die erwachsenste Entscheidung, die ich mir vorstellen kann. Wann genau bin ich so erwachsen geworden um mutige und richtige Entscheidungen zu treffen? Mit der Geburt des Kindes vor 4 Jahren fühlte ich mich noch nicht so, aber eventuell kam das im Zuge der gewachsenen Verantwortung. Oder ich hatte einfach keine Wahl. An der Klippe zu stehen mit einem Monster im Nacken, na da springt man halt einfach, auch wenn nicht zu sehen ist, wie tief es in den Abgrund geht.

Geschenkt wurde mir dann die beste Chefin, die mich kontaktierte, als sie hörte, dass ich Arbeit suche. Etwas gezweifelt habe ich schon, aber die Entscheidung dafür hat sich bis jetzt als goldrichtig herausgestellt. Und es ist erstaunlich, wie gut es mir nach zwei Monaten neuer Anstellung mittlerweile geht. Ich stehe morgens auf und fahre gern zur Arbeit, freue mich danach darauf, mein Kind wieder aus der Kita zu holen. Ich genieße die kreative Betätigung mit Kind, stricke und nähe für mich allein und finde (ganz neu!) abends die Zeit mich mittels Yoga-Übungen zu entspannen (Klischee? egal).

Ich genieße mein neues, oder wiedergewonnenes altes Ich. Und das erstreckt sich eben nicht nur auf die 30-40 Minuten Allein-Sein am Abend mit mir selbst, sondern ich bin Frau, da gehört meine Eigenschaft als Mutter dazu (nicht an erster Stelle, dazu: lesenswert), ich bin Partnerin und Freundin, Tochter und Schwester und und und. Wenn ich vieles davon auch schon vor 10 Jahren war, so gefällt es mir jetzt wie es ist und ich entdecke ungewohntes Selbstbewusstsein. Dazu musste ich eben erst 30+ werden.

Und solange ich am Ziel ankomme, will ich zufrieden sein, trotz vielfältiger und anstrengender Umwege.

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Freitags bei I*KEA

Was für eine gute Idee, am Samstag nach Weihnachten I*KEA zu besuchen. Oder eher nicht. Deshalb fuhren wir am gestrigen Freitag hin. War aber auch nicht besser. Recht belebt. Dem Kind hat es dennoch gefallen. Es hat nun ein eigenes Regal im Wohnzimmer bekommen inklusive Schachteln zum hinein- und hinaussortieren. Am Kopfende meiner Schlafstätte steht seit heute ein hübsches Schränkchen für z.B. die Bücher, welche mich Weihnachten sehr erfreuten. Der Mann kaufte eine Winterdecke und muss nun nicht mehr frieren. Durch eine Umstrukturierung oder wasauchimmer war leider nicht alles zu finden, was ich wollte. Trotzdem landete noch Geschenkkrams, Geschenkpapier und so im Wagen, wie das halt so ist.

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Kurz vor den Kassen, in der Abteilung der Riesenregale, in der ich mich immer fühle, wie Alice im Wunderland, hörte ich unfreiwillig ein Gespräch eines jungen Pärchens mit. (Okay, bestimmt um die 30 Jahre, aber da ich ungefähr genauso alt bin, empfinde ich das immer noch als jung.) Sie standen vor dem Regal mit meinem Nachttischschränkchen eine recht lange Zeit. Das weiß ich, weil ich ca. dreimal daran vorbei kam. Erst, weil ich verpeilt hatte, dass es das gesuchte Regal ist. Dann nochmal ohne Wagen (bestimmt wollte ich das 20 kg Paket von oben herunterheben und mit Händen tragen, haha.) und letztendlich mit Wagen und Mann.
Folgender Gesprächsfetzen jedenfalls:

Er: Aber warum denn?
Sie: Ich möchte es einfach perfekt haben.
Er: …

Ich weiß nicht, ob die beiden eine Lösung fanden. Aber ich musste in mich hineinlächeln und hätte beinahe gesagt: Schätzchen, bekomme erstmal ein Kind, dann ist gar nichts mehr perfekt! Und ich finde, in dieser Imperfektion liegt viel Gutes (man wird z.B. unglaublich locker, was Chaos oder Planänderungen angeht) und Schönheit (denn ein Kind liebt dich, unabhängig deines Äußeren oder deiner Stimmung).

Das habe ich aber nicht gesagt. Wahrscheinlich muss man das sowieso selbst erleben, um es zu verstehen. Wünschen tu ich es den beiden.

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Was für eine Woche!

Es ist Freitag abend 20 Uhr. Ich liege erschöpft auf dem Sofa und schließe die Augen in der Hoffnung auf ein bisschen Erholung. Das Kind turnt auf dem Spielteppich hin und her, fädelt den Turm aus Ringen ein und sucht ein Buch nach dem anderen heraus. Wieso kann es sich ausschließlich dann, wenn es eigentlich schon schlafen soll (aber nicht kann), am friedlichsten und ausdauerndsten mit sich und den Spielsachen beschäftigen? Ich seufze leise in mich hinein und bewege mich nicht. Denn viel Kraft ist nach dieser Woche nicht übrig geblieben. Das Kind war krank! Das erste Mal so richtig! Fieber über 39°, schlapp und müde. Und es konnte das erste Mal stillsitzen, auf meinem Schoß und freute sich über meine Fingerspiele und Reime. Für so etwas hat es sonst höchstens 3 Zeilen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir dann richtig Sorgen gemacht und die Hausapotheke bemüht. Hat geholfen, nur nicht unseren Nächten. Hat das Kind sonst Schlafphasen von 2-3 Stunden, wurde es nun im 45-Minuten-Rhythmus wach. Ich zog also aus dem Schlafzimmer aus und zwängte mich zwischen Schrank und Schlafstätte des Kindes auf eine Decke, deckte mich mit einer anderen zu und versuchte immer mal einen Happen Schlaf zu erwischen. Mitbekommen habe ich keinen (so wie beim Sekundenschlaf im Auto, kennt ihr, oder?), entsprechend fit war ich des Morgens.

Nun gut, jetzt ist das Kind wieder gesund (wohl eine Virusinfektion) und nicht mehr so müde – prompt kann es abends nicht einschlafen und wir befinden uns in oben beschriebener Situation. Möp. Ich schlage die Augen auf und muss losprusten. Das Kind ist zu mir hergetapst und zieht eine Schnute. Wie ein Kaninchen, ihr versteht?

Faxen machen für Mama.

Faxen machen für Mama.

Diese Mimik und Gestik ist so unglaublich süß, tollpatschig und herzerwärmend. Wie es Sachen auf den Boden wirft und dann sagt: „Oh oh!“ Wie es ein Bild des Mannes betrachtet und leise flüstert „Baba“. Hach. Ich kann dem Kind weder bös sein noch will ich das jemals missen!

Die fiebernde Woche scheint aber auch so etwas wie einen Entwicklungsschub bewirkt zu haben. Kennt ihr Wutanfälle bei 15-monatigen Kleinkindern? Ich sollte mich wohl daran gewöhnen.

Schönen 3. Advent!

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Was lange währt…

So einen Artikel wollte ich schon sehr lange verfassen. Zum Einen um endlich in den Kreis erlauchter bloggender Do-It-Yourself-Muttis aufgenommen zu werden. Und zum Anderen um meine Kreativität unter Beweis zu stellen (hüstel). Denn ich habe ein Kinder-Kleidungsstück genäht! Ein Kleid. Weil ich dachte, dass dies wohl die einfachste Form von Kleidungsstück ist. Wie man sieht, ist es für einen ersten Versuch gar nicht so schlecht.

Der Stoff ist das Beste an der ganzen Sache. Seit tatsächlich 10 (!!) Jahren ist er in meinem Besitz, erworben auf einem Stoffbasar in Dakar, Senegal, damals, als es mich für mein FSJ auf den afrikanischen Kontinent verschlagen hatte. Er war mir immer zu schade um irgendwas daraus zu nähen. Dadurch wird er aber weder besser noch werde ich ihm gerecht. Ein Stoff will vernäht werden, genauso wie ein Leben gelebt – aber ich schweife ab.

Die Vorlage bot mir diese Seite: smalldreamfactory Meinen Vorstellungen und mangelnden Accessories habe ich es angepasst / vereinfacht. Am Anfang war ich überzeugt, dass ich so viele Fehler begehe, so dass ich irgendwann genervt die Nähmaschine an den Haken hänge. Aber Schritt für Schritt habe ich die Anleitung verstanden und war begeistert, als nach dem fertigen Zusammennähen und Umwenden und wieder reinstopfen und nochmal Wenden, das Kleid nach einem richtigen Kleid aussah. Und keine Löcher und nichts zugenäht! Toll!

Als nächstes möchte ich eine Tasche nähen. Fragt mich in 10 Jahren nochmal danach.

Update (14.11.13): Um niemand auf diesem Blog mit Kreativität zu langweilen, verschiebe ich das Thema mit allen zukünftigen Einträgen einfach in ein eigenes tumblr, in Kollaboration mit trinitini.

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Große Ereignisse

In etwa 6 Wochen ist es soweit. Die Geburt des Babys jährt sich zum ersten Mal. Ein ganzes Jahr ist es dann schon auf der Welt und versprüht Energie und Witz. Das Ereignis scheint so groß, dass seine Schatten vorauseilen (oder es wirft die Schatten voraus? Oder hinter sich?).
Das meine ich allerdings nicht so negativ, wie es klingt. Es heißt nur, ich mache mir aktuell Gedanken um die Planung und Ausgestaltung etc. Dabei habe ich im Vorfeld Sachen wie das hier gelesen und fühle mich jetzt schon schlecht bzw weiß, dass ich nie so kreativ sein kann und uns sowieso diese räumlichen/zeitlichen Möglichkeiten fehlen. Außerdem ist mir sehr die Diskrepanz bewusst, die dadurch zustande kommt, dass es eigentlich ein Kindergeburtstag ist, wobei die Verwandten, die eingeladen werden wollen, aber etwas anderes erwarten, als auf dem Boden zu spielen, draußen zu toben und Geschenke und Spielsachen aus- und anzuprobieren. Diese wollen eher nen Kaffee trinken, Kuchen essen, sich unterhalten. Also genau das, was ein einjähriger Energiebolzen toll findet. Nicht.
Für wen also richten wir die Feier aus?
Nun gut, irgendwie wird man diese unterschiedlichen Bedürfnisse schon zusammen erfüllen können. Ich bin auch niemand, der es sich schwerer macht als nötig. Demzufolge habe ich einen Raum in einem Pensionscafé gemietet, die komplettes Catering anbieten können (erst der dritte Versuch brachte Erfolg, denn 6 Wochen vorher einen Veranstaltungsraum zu bekommen ist wohl selbst auf dem Dorf zu spät). Mein Beitrag zur Dekoration und zum Kuchenbuffet wird also minimal bleiben (auf den Baby-kompatiblen Geburtstagskuchen bestehe ich jedoch) und die Gäste sind dennoch zufrieden gestellt. Weitere Details folgen vielleicht, wenn es soweit ist.

Um nochmal darauf zurück zu kommen: das Gute an diesen Vorzeigegeburtstagen ist vielleicht nicht, dass sie die Messlatte so hoch hängen, sondern dass sie viele Ideen und Anregungen liefern und vielleicht einen kleinen Stups in den Allerwertesten geben, um doch noch kreativ zu werden. Denn zugegebenermaßen macht es schon Spaß. Meine Einladungen sehen also jetzt so aus und ich bin zufrieden.
Es möge der Geburtstag kommen.

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der Mutter Wolf

Ich habe einen sehr wertvollen Beitrag einer Bloggerin mit Wusel gelesen (die wie ich gegen das-war-schon-immer-so angeht), die ausspricht äh schreibt, was ich mir oft nicht getraue zu sagen. Es geht darum, dass es mit leichten Beklemmungen einhergeht, wenn man bekannte oder auch befreundete Mütter trifft. Irgendwann kommt immer der Moment, in dem man anfängt zu vergleichen (darüber schrieb ich an anderer Stelle schon) und auch zu BEWERTEN. Was das Baby wann zu essen bekommt, womit es spielt, wo es schläft… Da existieren so viele verschiedene Meinungen, wie es Lebensstile gibt und ich denke, diejenigen, denen das eine oder andere am wenigsten ausmacht, sind die Babys selbst.* Es sind die Mütter, die sich stressen!

Die Mutter ist der Mutter Wolf.

(Zitat nach Hobbes, abgewandelt, aus den Kommentaren des verlinkten Blogeintrages)

Und es stimmt. Niemand kann einer Mutter so schmerzhafte Kritik von oben herab entgegenbringen, wie eine andere Mutter. Vielleicht ist es nicht so gemein gemeint, vielleicht wurde diejenige selbst oft von oben herab verurteilt und sieht die Chance, den Spieß umzudrehen.

Das finde ich nicht gut!

Und doch entdecke ich gerade bei mir selbst, wie ich diese Impulse bekomme. Negativ auf ein anderes Paar schaue, weil ihr Einjähriger lauter Kekse und Süßkram futtert. Oder das andere Baby aus Gläschen ernährt wird. Oder dieses Kind nicht ohne Schnuller kann. Oder oder oder. Nur weil ich das auf meine Art und Weise mache, heißt es doch nicht, dass es besser ist. Und wiederum fühle ich mich schlecht und gebe ungern zu, dass ich mein Krawallbaby durchs Stillen einschlafen lasse.

Warum ist das so, was sind die Gründe? Ist es der Mangel an Bestätigung oder Anerkennung, den man sich über das Kind bzw. das eigene fehlerlose Handeln hereinholt und indem man andere klein macht? Es ist schon so, in der Zeit, in der man für das Kind sorgt, fehlt eine andere Möglichkeit, sich und seinen Wert bestätigt zu sehen. Reguläre Arbeit geht nicht und die Arbeit, die man macht (24/7), wird nicht gesehen. Es fällt unheimlich schwer, sich als Frau zu fühlen und nicht mehr nur als Mama. Und solange das Baby klein ist, wird man von dieser Seite die meiste Zeit „angeschrien“ (da gibt es wohl auch ausgeglichene Babys, habe ich mir sagen lassen).
Ach ja, aber nicht nur von innen kommt dieser Druck es perfekt zu machen, mindestens besser als alle anderen. Denn wenn etwas nicht so läuft im Leben des Kindes, wie es soll, wer trägt dafür die Verantwortung? Wem wird die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, ganz in Freud’scher Tradition?

Der Rabenmutter! (Was für ein krasses rein deutsches Wort, welches keine Entsprechung in anderen Sprachen hat. Das heißt schon was, finde ich.) Unfair den Raben gegenüber, die sich tatsächlich gut um ihre Jungen kümmern. Und extrem belastend für jede Mutter, die einfach nur die Bedürfnisse des Kindes stillen und sich doch an jeder Ecke subtiler oder ausgesprochener Kritik gegenüber gestellt sieht.

Ich plädiere also dafür:

  1. den Begriff Rabenmutter abzuschaffen
  2. zu verstehen, dass nur eine zufriedene, sich wertvoll fühlende Mutter eine gute Mutter sein kann
  3. offen zu sein für andere Lebensstile und sich abhalten, andere dafür zu verurteilen

*Die Sache ist anders bei kindswohlgefährdenden Sachen, das kann sich sicher jeder selbst denken.