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der Mutter Wolf

Ich habe einen sehr wertvollen Beitrag einer Bloggerin mit Wusel gelesen (die wie ich gegen das-war-schon-immer-so angeht), die ausspricht äh schreibt, was ich mir oft nicht getraue zu sagen. Es geht darum, dass es mit leichten Beklemmungen einhergeht, wenn man bekannte oder auch befreundete Mütter trifft. Irgendwann kommt immer der Moment, in dem man anfängt zu vergleichen (darüber schrieb ich an anderer Stelle schon) und auch zu BEWERTEN. Was das Baby wann zu essen bekommt, womit es spielt, wo es schläft… Da existieren so viele verschiedene Meinungen, wie es Lebensstile gibt und ich denke, diejenigen, denen das eine oder andere am wenigsten ausmacht, sind die Babys selbst.* Es sind die Mütter, die sich stressen!

Die Mutter ist der Mutter Wolf.

(Zitat nach Hobbes, abgewandelt, aus den Kommentaren des verlinkten Blogeintrages)

Und es stimmt. Niemand kann einer Mutter so schmerzhafte Kritik von oben herab entgegenbringen, wie eine andere Mutter. Vielleicht ist es nicht so gemein gemeint, vielleicht wurde diejenige selbst oft von oben herab verurteilt und sieht die Chance, den Spieß umzudrehen.

Das finde ich nicht gut!

Und doch entdecke ich gerade bei mir selbst, wie ich diese Impulse bekomme. Negativ auf ein anderes Paar schaue, weil ihr Einjähriger lauter Kekse und Süßkram futtert. Oder das andere Baby aus Gläschen ernährt wird. Oder dieses Kind nicht ohne Schnuller kann. Oder oder oder. Nur weil ich das auf meine Art und Weise mache, heißt es doch nicht, dass es besser ist. Und wiederum fühle ich mich schlecht und gebe ungern zu, dass ich mein Krawallbaby durchs Stillen einschlafen lasse.

Warum ist das so, was sind die Gründe? Ist es der Mangel an Bestätigung oder Anerkennung, den man sich über das Kind bzw. das eigene fehlerlose Handeln hereinholt und indem man andere klein macht? Es ist schon so, in der Zeit, in der man für das Kind sorgt, fehlt eine andere Möglichkeit, sich und seinen Wert bestätigt zu sehen. Reguläre Arbeit geht nicht und die Arbeit, die man macht (24/7), wird nicht gesehen. Es fällt unheimlich schwer, sich als Frau zu fühlen und nicht mehr nur als Mama. Und solange das Baby klein ist, wird man von dieser Seite die meiste Zeit „angeschrien“ (da gibt es wohl auch ausgeglichene Babys, habe ich mir sagen lassen).
Ach ja, aber nicht nur von innen kommt dieser Druck es perfekt zu machen, mindestens besser als alle anderen. Denn wenn etwas nicht so läuft im Leben des Kindes, wie es soll, wer trägt dafür die Verantwortung? Wem wird die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, ganz in Freud’scher Tradition?

Der Rabenmutter! (Was für ein krasses rein deutsches Wort, welches keine Entsprechung in anderen Sprachen hat. Das heißt schon was, finde ich.) Unfair den Raben gegenüber, die sich tatsächlich gut um ihre Jungen kümmern. Und extrem belastend für jede Mutter, die einfach nur die Bedürfnisse des Kindes stillen und sich doch an jeder Ecke subtiler oder ausgesprochener Kritik gegenüber gestellt sieht.

Ich plädiere also dafür:

  1. den Begriff Rabenmutter abzuschaffen
  2. zu verstehen, dass nur eine zufriedene, sich wertvoll fühlende Mutter eine gute Mutter sein kann
  3. offen zu sein für andere Lebensstile und sich abhalten, andere dafür zu verurteilen

*Die Sache ist anders bei kindswohlgefährdenden Sachen, das kann sich sicher jeder selbst denken.