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Ein Neuanfang.

ein Jobwechsel – erwachsen werden- die unerträglich schwierige Suche nach mir Selbst

Seit meinem letzten öffentlichen Eintrag ist unerträglich viel Zeit vergangen. Nicht mal mehr kurze Momente schriftlich festzuhalten gelingt mir. Geschweige denn zwei Sätze ins Tagebuch zu schreiben. Die Tag laufen und laufen vorüber, ich wache auf, nach dem Alltag schlafe ich wieder ein und wach dann wieder auf…

Und es passiert so viel, dass ich mir merken / jemandem erzählen / mich darüber freuen / drüber nachdenken / es verarbeiten möchte, ohne dass die Gelegenheit dazu kommt. Es läuft einfach alles weiter. Manchmal geht es mir gut und dann kann ich hin und wieder den Moment genießen und mich darüber freuen, dass es „läuft“. Im letzten Jahr jedoch ging es mir mehrheitlich schlecht und dann schlechter und vor allem nach unserem Urlaub im Sommer richtig schlecht. Es hat lange gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass es psychisch bedingt auf die Arbeitssituation zurück zuführen ist. Bewusst war mir das Problem schon bei meiner Anstellung 2012; ich dachte jedoch, dass ich stark genug sei, damit umzugehen. Da wusste ich auch noch nicht, dass ich ab 2015 meine liebe Kollegin verliere. Doppelte Arbeitslast, doppelt so wenig moralische Unterstützung im Büro. Als ich meine Unzufriedenheit dem Chef gegenüber aussprach, signalisierte er zwar Verständnis, belastete mich aber über alle Maßen mit diversen Grenzüberschreitungen. Und damit stand dann fest – ohne Netz und doppelten Boden – dass ich kündigen werde. Was ich auch tat. Und das war in der Situation die erwachsenste Entscheidung, die ich mir vorstellen kann. Wann genau bin ich so erwachsen geworden um mutige und richtige Entscheidungen zu treffen? Mit der Geburt des Kindes vor 4 Jahren fühlte ich mich noch nicht so, aber eventuell kam das im Zuge der gewachsenen Verantwortung. Oder ich hatte einfach keine Wahl. An der Klippe zu stehen mit einem Monster im Nacken, na da springt man halt einfach, auch wenn nicht zu sehen ist, wie tief es in den Abgrund geht.

Geschenkt wurde mir dann die beste Chefin, die mich kontaktierte, als sie hörte, dass ich Arbeit suche. Etwas gezweifelt habe ich schon, aber die Entscheidung dafür hat sich bis jetzt als goldrichtig herausgestellt. Und es ist erstaunlich, wie gut es mir nach zwei Monaten neuer Anstellung mittlerweile geht. Ich stehe morgens auf und fahre gern zur Arbeit, freue mich danach darauf, mein Kind wieder aus der Kita zu holen. Ich genieße die kreative Betätigung mit Kind, stricke und nähe für mich allein und finde (ganz neu!) abends die Zeit mich mittels Yoga-Übungen zu entspannen (Klischee? egal).

Ich genieße mein neues, oder wiedergewonnenes altes Ich. Und das erstreckt sich eben nicht nur auf die 30-40 Minuten Allein-Sein am Abend mit mir selbst, sondern ich bin Frau, da gehört meine Eigenschaft als Mutter dazu (nicht an erster Stelle, dazu: lesenswert), ich bin Partnerin und Freundin, Tochter und Schwester und und und. Wenn ich vieles davon auch schon vor 10 Jahren war, so gefällt es mir jetzt wie es ist und ich entdecke ungewohntes Selbstbewusstsein. Dazu musste ich eben erst 30+ werden.

Und solange ich am Ziel ankomme, will ich zufrieden sein, trotz vielfältiger und anstrengender Umwege.

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Wenn ich Zeit hätte…

Wenn ich Zeit hätte, würde ich vom heutigenTag berichten. Ich würde beschreiben, wie dunkel, verregnet und trübselig der Morgen war; ich auf Arbeit im Büro bis zum zweiten Frühstück allein war, weil meine Kollegin Urlaub hat und fast niemand anrief, was gerade für einen Donnerstag ungewöhnlich und fast schon unheimlich war. Weiterhin würde ich vielleicht kurz schildern, wie ich, als es langsam heller wurde, die Jalousie doch etwas öffnete, um zu merken, dass ich wohl doch nicht allein auf der Welt bin. Vielleicht würde es mir gelingen, den krassen Gegensatz darzustellen zur zweiten Hälfte meines Arbeitsvormittags, als Chef und Kollege eintrafen und urplötzlich das Telefon gar nicht mehr stillstand, ich den Hörer des einen und das kabellose andere Telefon von einem Ohr und zum anderen nehmen musste und zwischendrin versuchen, einige Dinge mit dem Chef abzusprechen. Auf jeden Fall würde ich darüber schreiben, wie ich das erste Mal wieder aufatmen konnte, als mein Lieblingskollege ungeahnt zum Mittag auftauchte und wir ungestört quatschen und uns austauschen konnten. Ich würde schildern, wie froh ich war, dass er mir einen Weg zur Post ersparte und ich schneller Feierabend machen konnte, um zum krankem Kind zu eilen und den Mann abzulösen, der dann nachmittags arbeiten konnte. Vielleicht würde ich erläutern, wie verwunderlich es ist, dass das Kind seit 2 Tagen mittags keine Anstalten mehr macht, müde zu sein und im Bett spielt und ruht, aber eben nicht schläft. Vielleicht würde ich es auch nicht erwähnen. Genausowenig den Besuch von Oma, die auf das Kind aufpasst, während ich einen zahnchirurgischen Termin (zum Glück nur eine Vorstellung!) wahrnehme. Obwohl ich ihr dafür unendlich dankbar bin, dass das so gut und immermal wieder funktioniert! Es leben die Großeltern in der Nähe! Definitiv würde ich über den Ausflug in die „Stadt“ zum Zahnarzt plaudern, lang und breit – wie mich die Gerüche an meine Zeit in Leipzig erinnern, ich in die Karli zurückversetzt werde, die Straßenbahnen rattern höre und die unterschiedlichen Menschen sehe und reden höre – es war wunderbar. Ich würde bestimmt mein Erlebnis in der Zahnarztpraxis schildern, komplett in weiß, aus einem Werbeprospekt oder einem SciFi-Film entsprungen, die Zahnarzthelferinnen vom Laufsteg, der junge französische Arzt, der keine Sekunde zulang im Behandlungszimmer verweilen mochte und ich es nicht schaffte, ihn auf französisch zu beeindrucken. (prust) Ich würde über das angenehme Gefühl schreiben, mit dem ich viel früher als gedacht, aus der Praxis treten konnte und noch Zeit hatte zwei Läden zu tangieren – 4 Sachen für das Kind kaufen (3 Kleidungsstücke, etwas Knete), 3 Nähgarnrollen für mein aktuelles Nähprojekt. Ich würde vielleicht noch kurz über die schöne Heimfahrt schreiben, wie ich es mag mit lauter Musik und in Abendstimmung durch das Gebirge zu fahren. All das würde ich schreiben, wenn ich Zeit hätte.

Schade, dass ich keine habe.

Ach ja, Stadt riecht übrigens nach Döner.

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Meilensteine

In letzter Zeit ist es (mir) etwas sehr ruhig auf dem Blog. Zum Einen liegt es an meiner Tagesplanung, die kein Zeitfenster für Dinge wie „hinsetzen und schreiben“ oder „Gedanken sammeln und einen Beitrag konzeptionieren“ übrig hat. Geschweige denn könnte ich mir Sachen merken, über die ich schreiben würde, aber das ist ein anderes Thema. Zum Anderen finde ich mein Leben gerade ziemlich gut. Das konnte ich ehrlichen Herzens einer Freundin erzählen, mit der ich vergangenen Freitag bei IKEA stöbern und schlemmen war. Die Tage sind voll gepackt, ich komme gut damit klar, nachts komme ich zum Schlafen, da das Kind mittlerweile öfters mal durchschläft oder maximal einmal nachts wach wird und dann gut wieder einschläft. Wenn ich da an das erste Lebensjahr denke, wird mir übel. Ein riesen Fortschritt, für den ich sehr dankbar bin. Desweiteren haben wir einen Meilenstein hinter uns, den 2. Geburtstag des Kindes! Für mich immer eine Herausforderung, denn eine Feier zu organisieren, an alles denken, die Wohnung herrichten, Leute einladen, für Verköstigung und Unterhaltung sorgen – all das schaffe ich, möchte mich aber viel lieber hinter dem Sofa verkriechen und allein sein. Klassisch introvertiert halt. Das ist nun geschafft und damit auch eine Last von mir abgefallen. Der Tag an sich war wunderbar. Das Kind hatte zwar etwas Schnupfen, was sehr selten der Fall ist, aber es hat sich sehr gefreut über all die Gäste und die Geschenke und den Trubel.

Nun beginnt der September, es geht auf das Jahresende zu (ja, ja, klingt so pathetisch), aber ein bisschen fühle ich mich wie Neuanfang. Und ganz dazu passend der zweite Meilenstein. Schon länger ist von meinem Arbeitgeber der Wunsch zu hören, ich könnte doch etwas länger arbeiten, als die bisher ca. 15-18 Stunden in der Woche. Das wurde auch konkret durch die Umstellung auf meinen alten Vertrag und den Wegfall der geringfügigen Beschäftigung (dafür hatte ich eh schon zuviel Stunden). Noch länger zu arbeiten wäre nur möglich, wenn das Kind bei der Tagesmutti schlafen würde, bisher holte ich es nach dem Mittagessen ab. Ich hätte auch ehrlich nicht erwartet, dass es so problemlos klappen würde. Denn das Zubettgehen allgemein ist schon eher kompliziert, wie ich letztens schrieb. Gestern haben wir es nun probiert, ich habe das Kind verbal vorbereitet, wir haben das Kopfkissen, den Bär und den gewohnten Schlafsack eingepackt und mitgenommen. Mittags bin ich dann von Arbeit nicht wie gewohnt abholen gefahren, sondern gleich nach Hause und saß wie auf brennenden Kohlen, es war furchtbar, ich erwartete jeden Moment den Anruf, ich möge schnell kommen, das Kind ist in Panik. Der Anruf kam auch, allerdings anders als gedacht. Denn – oh Wunder – es ist freudestrahlend mit den anderen beiden ins Bettchen, hat sich eingekuschelt und 15 min später haben alle geschlafen ohne einen Mucks von meinem Kind. Wie toll ist das denn! Ich bin super stolz! Geholfen hat sicher, dass die allerliebste Freundin nach ein paar Wochen Krankheit den ersten Tagen wieder da ist. Oder dass wir so eine super Tagesmutti haben. Oder ich hatte mal wieder zu viel unbegründete Furcht. Fragen sie mal eine Mehrfach-Mutti.

Wie auch immer, das kann gerne so weiter gehen!

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Eigentlich

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche etwas schreiben. So richtig positiv.

haende

Hände – groß und klein

Darüber, wie schön ich es mittlerweile finde, Zeit mit dem Kind zu verbringen, also fast gar nicht mehr anstrengend und meinen eigenen Bedürfnissen/Vorstellungen entgegenlaufend, sondern richtig herzerwärmend und toll. Einen Monat vor dem 2. Geburtstag (!wow!) kann es sich richtig gut ausdrücken, die meisten Sachen benennen, sagen, was es will und was es nicht will, es ist oft ausgeglichen, freut sich über kleinste Dinge, lässt sich leicht begeistern und kann vieles selbst machen (Papier schneiden, sich die Hände waschen, ganzen Joghurt auslöffeln…). Am liebsten ist es bei und mit anderen Kindern, was ich gerne jederzeit ermögliche, ob es nun die Kinder aus der Einfamilienhaussiedlung in der Nähe sind oder der Cousin.
Letzte Woche (die Woche vor unserem Urlaub) war ansonsten eine normale Arbeitswoche, außer dass meine Kollegin im Urlaub ist, ich ihre unverschiebbaren Aufgaben teils mit leisten muss und der Chef gerade aus dem Urlaub zurückkam und seine theoretische zweite Urlaubswoche absagte und die Firma mit Streß und Arbeit erfüllte. Es war also anstrengend auf Arbeit, ein schöner Kontrast am Nachmittag mit dem Kind. Am Freitag war nachmittags ein Lehrgang, was den Streß potenzierte, mir die sonstige Mittagspause nahm und ich erst kurz vor 5 zuhause war. So fertig war ich schon lange nicht.Und dann, am Samstag, dem ersten freien Tag, fühlte es sich so an, als würde ich zusammenbrechen. Kraft: Fehlanzeige, Motivation: keine, Geduld: fast aufgebraucht, Freude: wo? Das kenne ich schon aus der Prüfungszeit oder anderen größeren Anstrengungen. Da lebt man nun auf etwas hin und gibt alles, um die schwierige Zeit vorher zu überstehen und dann ist es soweit (endlich Ferien!) und man stürzt erstmal in ein Loch. Schwierig, das. Vor allem, da ich (ungeplant) erstmal alleine mit dem Kind war.
An der Stelle wollte ich dann eigentlich wieder in den Blog schreiben und mich beschweren, dass ich gerne einfach wieder Alltag hätte, dass ich genug vom Urlaub habe und der schon lange nicht mehr das ist, was er mal war.

Na und dann ging auch der Tag vorbei, besser als ich befürchtete. Es war Kinderstraßenfest, wo ich viele Bekannte getroffen habe, am Sonntag ein kleiner familienbedingter Ausflug mit dem Auto etwas weiter weg, was das Kind gut mitgemacht hat (ist nicht selbstverständlich). Das war auch gut, obwohl kein schöner Anlass. Das Kind ist abends deshalb zeitig ins Bett, ich auch und endlich mal wieder war es eine gute Nacht (kühl, keine Party vor dem Fenster, kein Gewitter, keine Mücken).

Heute morgen also sah unsere Urlaubswoche gar nicht so schlecht aus. Und stellen Sie sich vor, ich hatte sogar etwas Zeit für mich! Der Mann furh mit Kind zum Einkaufen und ich in den Garten. Gerade als ich ankam, fing der Himmel an, aus allen Wolken Wasser zu schütten, so dass ich mich knapp noch in die Hütte retten konnte. An Gartenarbeit war nicht wirklich zu denken, ein Buch hatte ich leider nicht mit. Also just-for-me-moment! Aber sowas von. Einfach da sein, nach innen gehen können, von nichts und niemand gefordert, gedrängt werden. Danke!

Und eigentlich war es höchste Zeit für me-time, denn das fiel in letzter Zeit ziemlich dünn aus. Ich bin nun wieder versöhnt mit der Welt. Denn eigentlich ist mein Leben gerade gar nicht so schlecht.

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Die Löcher

Löcher kenne ich gut, diese Dinger. In meinem Leben gibt es so manche; ich habe hier mal versucht, sie zusammenzufassen.

Da wären zum Beispiel die Löcher in der Erinnerung „Habe ich heute schon was getrunken, oder nicht? Was sollte ich morgen der Tagesmutti mitbringen? Wie lang ist der letzte Besuch bei den Urgroßeltern her?“ Solche Sachen. Die Zeit, sie rast und wir kommen nicht hinterher. So wenig Kraft. Das liegt wohl auch an den Löchern im regelmäßigen Schlaf. 5 Stunden am Stück schlafen? LUXUS! Es gab Zeiten, da war ich sehr froh, überhaupt mal in eine Tiefschlafphase zu kommen.
Löcher entstehen auch im Freundeskreis. Bedingt durch den Umzug, allerdings verstärkt durch die mangelnde Flexibilität und die Unmöglichkeit, abends wegzugehen. In den letzten anderthalb Jahren genau 3! Mal probiert. Jeweils nach 0,75 bis 1,5h zurückkehren müssen, da das Kind erwachte und ohne Mama nicht wieder einzuschlafen gedachte. Es bleiben verständnisvolle und andere Eltern von kleinen Kindern, mit denen man sich hin und wieder privat oder auf dem Spielplatz treffen kann. Der Kreis der Menschen, mit denen man zu tun hat, begrenzt sich enorm. Auf Arbeit die Kollegen, die Tagesmutti, die Verwandtschaft, die man oft besucht, die Nachhilfekinder, die zu mir kommen und der Tankwart/Supermarktkassiererin/Bäckereiverkäuferin. Bemühen muss ich mich schon arg, hin und wieder die Mütter in der Krabbelgruppe zu treffen oder alten Freunden zu schreiben (Mail / SMS). Die restliche Zeit wird mit Kind verbracht, drin und draußen. Die Hausnachbarn und die Gartennachbarn hätte ich beinahe vergessen, doch damit ist der menschliche Kontakt komplett erschöpft! Für viele Menschen ist das sicher normal, ich finde es viel zu eng!
Ein weiteres Loch wurde in verschiedenen Medien vielfach hoch- und runterdiskutiert, nämlich das finanzielle Loch im elterlichen / mütterlichen Portemonnaie. Nach einer quasi Vollzeitstelle vor der Geburt bin ich nun in einem Minijob gelandet, der monatlich eher 200€ – 300€ abwirft. Davon gebe ich die Hälfte der Tagesmutti, die in der Arbeitszeit das Kind wunderbarst betreut (kann ich nicht genug betonen!). Den Rest erhält der Supermarkt, oder Online-Shops bzw. örtliche Läden für Kinderbedarf. Ach ja, Kindergeld kommt dazu, danke Staat! Reicht, oder? Hm.
Die Löcher, die mich am stärksten belasten, sind die emotionalen. Nach dem Krankenhausaufenthalt und den ersten Tagen zuhause, als ich einfach nur froh war, wieder zuhause zu sein, erfasste mich z.B. eins. Plumps. Drin.* Erschöpft sein, nicht wissen, wofür man das alles macht, war es das schon im Leben? Werde ich die nächsten 10-15 Jahre nichts anderes machen? Wann habe ich überhaupt Zeit für mich? Ist das abendliche Sitzen auf dem Sofa wirklich die tägliche Erfüllung? Irgendwann läuft der Alltag so reibungslos, dass man nicht mehr dazu kommt, daran zu denken. Oder die mangelhafte Erinnerung lässt einen vergessen, hat also auch sein Gutes, so ein Loch.

Und dann kommen Momente, da helfe ich dem Kind über die Löcher auf dem Weg hinweg, steche Löcher in Eier um sie dann auszublasen und gemeinsam anzumalen und bin begeistert, wie sich das Kind Löcher in den Bauch freut über die Katze der Nachbarin.

Diese Dinger, ich werde wohl mit ihnen auskommen müssen.

 

*Fairerweise muss ich erwähnen, dass ich solche Phasen auch vor dem Kind gut kannte.

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Advent, Advent…

Da nun endlich die heiß erwarteten mehreren Zentimeter Schnee liegen (seit Tagen schon fängt der Hausmeister von gegenüber pünktlich um 6 Uhr an, seine Schneeschippe zu schwingen – leider gab es nur wenige Schneeflocken  – es handelt sich also mehr um geräuschvolles Metall-auf-Stein-Kratzen – super. Nicht.), die Straßen zeitweise spiegelglatt sind, so dass die Autos am Berge liegen bleiben und wir das Dorf nicht mehr verlassen können, da wir im Tal liegen – jetzt endlich komme ich dazu, wieder einmal etwas niederzuschreiben. Gefühlt ist es sehr lang her, dass ich mich dem Blog widmen konnte. Lag auch daran, dass ich weniger Zeit als sonst hatte. Denn: das Kind geht nun zu einer Tagesmutti!!11!

Im November begannen wir kurzfristig mit der Eingewöhnung. Mittlerweile klappt es super, in den ersten Wochen war viel Anspannung zu bemerken, vor allem auch, wenn ich mittags zum Abholen kam und das Kind, statt sich zu freuen, anfing zu weinen. Nun ist lauthalses Lachen zu hören und eher Unmut, wenn ich es anziehe und zum Auto laufen will. Ich bin sehr froh, diese Tagesmutti gefunden zu haben: noch ein Kind im selben Alter, jeden Tag sowohl frische als auch Stallluft, da nebenan ein Bauernhof ist und jede Menge Tiere herumlaufen. Und sie ist so eine Liebe, die Mutti!

Der Grund für die Änderung des Planes (eigentlich sollte das Kind erst mit 18 Monaten zur Tagesmutti und nicht schon mit 14) lag in meiner Kollegin, die sich unerwarteterweise den Arm brach, so dass meine Arbeitskraft sehr gebraucht wurde. Ehrlich gesagt habe ich mich über die Gelegenheit gefreut und mit Freuden dies so geregelt. Der Chef hätte es wohl nicht erwartet. Denn nichts sehnte ich mehr herbei, als endlich wieder einen geregelten Tagesablauf, Struktur, einen Grund früh aufzustehen, einen Plan zumindest für die Hälfte des Tages, Arbeit, die auch entlohnt wird (nicht nur mit Euronen, auch mit innerer Anerkennung), etwas anderes, als das Haushaltschaos und die bohrende Langeweile. Und ich bin sehr froh, wie es nun ist. Das Kind freut sich über eine ausgeglichene Mama, die noch mehr Geduld, Spaß und Gelassenheit hat.

Absolut kein Vergleich zu der Zeit vor genau einem Jahr. Ich wollte gestern meine Tagebuchaufzeichnungen dazu heraussuchen, musste aber feststellen, dass ich vor dem 5. Monat des Kindes keinen einzigen Buchstaben aufgeschrieben habe. Ein guter Indikator, wie es mir damals ging. Nämlich nicht gut, um es euphemistisch auszudrücken. Nach wie vor will ich so eine Zeit nicht noch einmal erleben müssen, bei allen Muttergefühlen nicht.

In den aktuellen Charts der Reaktionen von Omis oder anderen Müttern liegt ja folgender Satz weit vor:

Die Kleinen werden ja soo schnell groß, es wäre doch schön, sie würden immer so klein bleiben!

Äh, nein, nope, nö. Das ist schon ganz gut so, wie schnell das geht und wie selbstständig Baby innerhalb eines Jahres werden. Super, dass das Kind jetzt allein läuft, fantastisch, wie es selbst Bücher umblättern möchte oder die Tasse halten, bezaubernd, wie es das Tuch an die Nase hält, um sie zu putzen. Damals in der Zeit habe ich diesen Blogeintrag gelesen: hier – das konnte ich mit allen Stiften, die ich besitze, unterschreiben.

Einen schönen zweiten Advent wünsche ich!

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Der kleine aber entscheidende Unterschied

doofSeit drei Wochen, bzw seit dem Geburtstag des Krawallbabys (der übrigens richtig schön war, dank allen Gästen, dem Wetter und der Location) gehe ich wieder arbeiten. Wenige Stunden zwar, (Mittwoch nachmittag 2-2,5h und Freitag nachmittag 3h) aber immerhin. Ich breche dann jeweils von zuhause auf, überlasse das Krawallbaby der Oma oder dem Papa, was jeweils sehr gut funktioniert und tauche ein in eine Welt a.k.a. Arbeitswelt, von der ich mich im letzten Jahr a.k.a. Elternzeit sehr entfernt hatte. Und diese kleine Änderung meines Alltags bewirkt doch so eine gewaltige Veränderung meiner Sicht der Dinge inklusive meiner Zufriedenheit. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich bin enorm froh, das genau so durchgezogen zu haben. Auf der anderen Seite bringt es mich aber zum Nachdenken und zeigt mir, wie stark ich dem Diktus meines Umfeldes und meiner Vergangenheit unterworfen bin. Damit ihr mich versteht, noch ein paar Erläuterungen und meine Interpretation dieser Sache.

Im Jahr nach der Geburt und der Elternzeit habe ich genau dafür Geld bekommen, dass ich mich um das Baby kümmere, ihm alles gebe, was es braucht, die Verantwortung dafür trage und eben einfach Mutter bin. Das war mein „Job“. Ein 24h Job an 7 Tagen der Woche zwar, mit nur kurzen Pausen und keinerlei bzw widersprüchlichen Arbeitsanweisungen (von Verwandten, anderen Eltern, Internetforen…). Aber es war meine Aufgabe und die wollte ich natürlich gut machen um nicht zu sagen, ich wollte alles richtig machen. Wer selbst ein Baby hat, merkt schon das Problem an der Sachlage. Bei einem Baby kann man nicht alles „richtig“ machen, bzw selbst wenn man das tut, heißt das noch lange nicht, dass es dem Baby dann gut geht oder es sich so verhält wie gedacht. Das bedeutet, auch wenn ich alle Bedürfnisse erfüllt hatte und das Baby satt, trocken, geliebt war, hat es trotzdem gemeckert oder geschrien. Weil es das wohl eben brauchte. Oder es konnte eben nicht einschlafen, trotz stillen, schaukeln, wiegen, singen, streicheln, tragen, Zahnweh-weg-Mittel etc. Jedesmal wenn es müde war, so ungefähr die ersten 3-4 Monate. Das frustriert. Unglaublich schnell und sehr. Man setzt sich komplett für den „Job“ ein, stellt alle eigenen Bedürfnisse nach hinten und schafft es nichtmal, die Sache wenigstens ganz okay zu machen, zur Zufriedenheit halt. Ganz im Gegenteil. Es kommt kein Dank, sondern man wird angeschrien. Im übermüdeten Zustand. Soviel Kraft muss man erstmal aufbringen, da nicht zu verzweifeln. Dazu kam die Ansicht von außen (was eigentlich von innen ist, so sehr verinnerlicht habe ich diese Einstellung), das man als nur Mutter (und Hausfrau) ja gar nichts sinnvolles (im Sinne von wirtschaftlich produktives) tut. Ein einziger Kreislauf der Frustration. Es wurde zwar mit der Zeit und dem Älterwerden des Babys besser, aber noch vor ein paar Wochen war die Ausgangssituation gleich. Das Baby meckert beim Essen, weil es schon so müde ist und es nicht schnell genug geht: ich habe im Job versagt. Es kann abends nicht einschlafen, weil die Zähne so drücken: Aufgabe als Mutter nicht erfüllt. In diesen Situationen war der Ärger des Babys direkte Anklage an mich als Mutter, denn es ist ja wohl meine Aufgabe, diesen Ärger zu vermeiden oder direkt aufzulösen.

Und nun beginne ich wieder mit Erwerbsarbeit, gesellschaftlich anerkannt in Form von Lohn. Ich beteilige mich an einem Arbeitsprozess,  der bleibenden materiellen Wert schafft (und wische nicht nur Essensreste unterm Tisch weg, wovon man nach der nächsten Mahlzeit nichts mehr sieht). Ich komme heim und habe den Job schon geschafft. Alles was jetzt kommt, ist meine Freizeit, wird nicht beurteilt, da ich dafür nicht bezahlt werde. Ich kann es einfach so annehmen, wie es kommt, ob das Baby nun eine guten oder schlechten Tag hat, ob es einschläft oder lieber die halbe Nacht zum Tag macht. Schon am ersten Arbeitstag habe ich diesen riesigen Unterschied darin gemerkt, wie unglaublich gelassen ich an diesem Abend sein konnte. Ich konnte mit viel mehr Liebe auf das Baby eingehen und geduldig und gut gelaunt bleiben, bis es endlich schlief. Ich konnte mich am nächsten Tag aufmerksamer auf alle Spiele und Beschäftigungen einlassen und wollte möglichst viel Zeit mit ihm nutzen (denn natürlich hatte ich das Baby in der Arbeitszeit schrecklich vermisst). Jetzt war das Verhalten des Babys, wie schon erwähnt, keine Bewertung meiner Arbeit mehr. Der „Sinn“ meiner Tage lag nun woanders. Was für ein Unterschied.

Im Gespräch mit einer Freundin bestätigte sie mir diese Erfahrung,  da es ihr auch so ging, als sie wieder mit arbeiten anfing.

Wo liegt nun aber das Problem, was ich am Anfang schrieb? Dazu nur ein paar Fragen.

1. Wieso empfinde ich/die Gesellschaft Arbeit nur sinngebend/wertvoll, wenn es Erwerbsarbeit ist? (Zur Aufwertung von sog. Reproduktions- oder Fürsorgearbeit einfach mal den Blog von Antje Schrupp durchsuchen oder hier.)

2. Wieso braucht man die Bestätigung, etwas gut gemacht zu haben, um es auch zu empfinden?

3. Dazu auch die Frage, wieso wir es verlernt haben, was im Umgang mit Babys (und wahrscheinlich auch Menschen allgemein) wichtig ist? Da passen nämlich die Anforderungen der Effizienz, des pietistischen schaffen-schaffen und nur nicht ruhen, nicht, wie ich behaupte.

4. Wie kann es sein, dass ich kein Problem habe, eigene Bedürfnisse zu ignorieren (das sogar erwartet wird), ich mich dann aber wundere, wenn es mir schlecht geht?

Antworten, anyone?